Beratung, Psychotherapie, Coaching, Supervision!? Oder doch eine Psychoanalyse? Welches Verfahren für welche Frage!? Und - nicht zu vergessen - was brauche ich!

Was unterscheidet den Berater vom Psychotherapeuten - und was erfahre ich in einer Psychoanalyse!?

Gute Frage - erst bei genauerer Betrachtung ergeben sich die oft nur feinen Unterschiede. Wenn ich gefragt werde, was macht eigentlich der Psychotherapeut, was unterscheidet seine Dienstleistung von der des Beraters und - was bringt mir eine Psychoanalyse, die nach alter Tradition und Väter Sitte an mehreren Terminen in der Woche stattfindet und immer seltener als kassenfinanzierte Leistung zur Anwendung kommt - ist diese Art der Psychotherapie nur etwas für die, die es sich leisten können!? Auf diese und andere topaktuelle Fragen will ich in diesem blog eingehen und würde mich freuen, wenn Sie durch Ihre Frage und/oder Anregungen dazu beitragen, dass sich die Unklarheiten verringern.

Psychotherapie

Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt "Behandlung der Seele beziehungsweise von seelischen Problemen".

Sie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Dazu zählen psychische Störungen wie Ängste, Depressionen, Essstörungen, Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen, Süchte und Zwänge. http://www.bdp-verband.org/psychologie/psytherapie.shtml#wann


Wie  der starke Zuwachs an Nachfrage nach  Psychotherapie in den zurückliegenden Jahren zu erklären ist, das werden Sie sich vermutlich auch schon gefragt haben; unbestritten ist, dass die langen Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz - den sog. Therapieplatz - als klares Zeichen für den kontinuierlich gestiegenen Bedarf zu werten ist. Ist die erschöpfte Gesellschaft kränker als vor 20 Jahren - weil wir uns den Errungenschaften der Technik allzu kritiklos verschreiben, weil wir jedem Trend nacheifern oder weil die vielen anderen Ideale und Wertvorstellungen suggerieren, uns vorschreiben, was "man" braucht, um dabei, um hipp zu sein!? Ich bin gespannt, was Ihnen dazu einfällt.. Vielleicht ist die grosse Nachfrage nach psychotherapeutischer Behandlung  aber auch nur ein Geschäft mit der eingebildeten Depression - so der Psychiater Christian Dogs in der F.A.Z.

Beratung

Der Beratungsprozess umfasst neben dem Berater einen Klienten - einen, der Beratung für sich in Anspruch nimmt: populäre Beispiele sind neben der Ehe- und Lebensberatung die Erziehungsberatung.  Doch heute ist selbst die Frage nach dem richtigen Menschen an meiner Seite ein lukratives Geschäftsfeld für Berater, die durch eigens dafür entwickelte Testverfahren versprechen, den Richtigen für Sie zu finden. Hier fällt mir der alte britische Premier Winston Churchill ein: misstraue jeder Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.. oder: möchten Sie wirklich die Wahl Ihres Traumpartners in die Hände einer Beratungsinstitution delegieren!? Wie gesagt: das Geschäft mit der Paarfindung kann sich sehen lassen..

 

Doch manches Mal bedarf es eben auch nur eines einzigen Beratungsgespräches: heute ist immer häufiger von Coaching die Rede - der Coach (der Kutscher) sitzt oben auf der Kutsche und wir unterstellen ihm dieses Wissen bzw. suchen seinen Rat in den genannten Lebensfragen. Mit einer Psychotherapie sollten Sie die Beratung indes nicht verwechseln.

Psychoanalyse

Von vielen totgesagt, von Kennern, Praktizierenden und Befürwortern weiterhin als der Königsweg zum Unbewussten erklärt - die Psychoanalyse. Worin liegen die Stärken einer Psychoanalyse und warum sollten Sie diesen steinigen Weg auf sich nehmen!? Weil es auf komplexe Fragen keine einfachen und generalisierbaren Antworten und Lösungen gibt. Weil der Andere niemals weiss, auch wenn wir dazu neigen, ihm dieses Wissen zu unterstellen. Es sind die Fragen des Anderen, die uns selber zu stellen uns bisweilen der Mut fehlt. Der Weg dahin, zu erfahren, was uns davon abhält das Richtige zu tun oder auch nur das Falsche zu lassen - ein geradezu absurd anmutendes Unterfangen - gibt es denn ein richtiges Leben im falschen (hätte T. W. Adorno gefragt) scheint von daher weit und beschwerlich: und ich möchte Ihnen sagen: nehmen Sie die Mühsal einer Analyse auf sich, auch wenn sich die Versichertengemeinschaft - das sind die Krankenversicherungen - immer häufiger der Kostenübernahme langer, zeitintensiver psychodynamischer Selbsterkundungsprozesse widersetzen.  Mit 'Krankenbehandlung' im alten Stile hat eine Psychoanalyse von daher immer seltener etwas zu tun..


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Kommentare: 2
  • #1

    Klaus Feldman (Mittwoch, 05 April 2017 19:08)

    Vielen Dank für die "Gebrauchsanweisung" - am Ende wird vermutlich auch die Frage nach dem, was der Psychiater macht und was den vom Psychologen unterscheidet, diskutiert werden!?

  • #2

    Franziska Grunwald (Freitag, 25 August 2017 15:05)

    Guten Tag Herr Wagner,
    Wenn ich dies richtig verstanden habe, ist der Berater oder Coach dann doch nicht so deutlich von dem Psychotherapeuten zu unterscheiden!? Eine wichtige Unterscheidung liegt wohl darin, dass die Kosten für eine Psychotherapie in den meisten Fällen von einer gesetzlichen oder auch privaten Krankenversicherung übernommen werden: die Kosten für eine Beratung muss ich aber wohl in den meisten Fällen selber zahlen!? Danke für die klärende Rückmeldung. F. Grunwald