Was das Virus mit uns macht - und wie wir auf adäquate Weise darauf reagieren - ohne es zu ignorieren


Seit gut sechs Monaten (Stand Oktober 2020) hält uns das Corona Virus nunmehr "in Atem" und es stellen sich für alle Beteiligten immer neue Fragen, wie wir mit den teils gravierenden Einschnitten in unser tägliches Leben, das tägliche Miteinander im kleinen, vertrauten Kreis der Familie ebenso wie in der Situation des Singledaseins, an den Schulen, am Arbeitsplatz ebenso wie unter den neuen, ins eigene Lebensumfeld verlagerten Arbeits- oder auch den Studienbedingungen - der Home Office Situation - umzugehen haben.

Wer sich mit dieser schwer überschaubaren Themenfülle intensiv und auf differenzierte Weise auseinandersetzt, wird rasch merken, wie gravierend die Veränderungen unseres täglichen Lebens ausfallen, wie sehr wir Alle immer wieder auf Zeichen der Überforderung reagieren - bei uns selbst wie auch beim Anderen - auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkaufen, im Wartezimmer des Arztes wie an dem Ort, den wir uns für die Erholung ausgesucht hatten, und wo wir uns mit bis vor kurzem undenkbaren Einschränkungen und Reglementierungen konfrontiert sehen.

 

Alles, was es in diesen Tagen in besonderer Weise braucht, ist der umsichtige Umgang miteinander.

 

Alles, was es leichter erträglich macht, die restriktiven Bedingungen besser mit zu tragen, was nicht dasselbe ist wie diese einfach nur zu ertragen, sich den Vorsichtsmassnahmen zu widersetzen oder die realen Gefahren zu ignorieren oder gar zu leugnen - das Spektrum an Antwortmöglichkeiten ist breit und jeder kennt bei sich die Neigung, das bedrohliche Szenario herunter zu spielen oder für den einen Abend, wo man sich in geselliger Runde unter Freunden so ganz sicher wähnt, all die gebotenen Vorsichtsmassnahmen zu vergessen: Das, worauf es in diesen Tagen ankommt, ist, dass Sie sich im Gespräch mit Betroffenen - und es ist wichtig, sich dies noch einmal klar zu machen - dies sind wir Alle - immer wieder klar darüber werden, wie sehr diese weltumspannende Virusausbreitung unser tägliches Leben in den wenigen Monaten verändert hat, wie gross und real die Gefahr von Vereinzelung und Isolation geworden ist. Für den einen ist es der Wegfall der fest in die Woche integrierten Trainingspläne beim Mannschaftssport: Handball, Fuss- und Volleyball, Hockey, die Übungstermine in der Band oder im Chor, um nur einige wichtig gewordene Freizeitaktivitäten zu nennen. Zumindest die Besucherränge in den Stadien blieben leer in den vergangenen Monaten - ein bedeutender Unterschied, wenn die begeisterten Anfeuerungsrufe der Fans wegfallen.

 

Ein anderer ist oder fühlt sich auf einmal abgeschnitten von der wöchentlichen Skatrunde, der Gesprächsgruppe im Gemeindehaus - die unzähligen Familienfeiern, die in diesem Jahr ersatzlos gestrichen oder in eine unbestimmte Zukunft verschoben wurden.

 

Wichtig ist mir, Ihnen nachdrücklich zu Eigeninitiative zu raten: nehmen Sie sich der Dinge an, die nicht auf Sie warten, diese Dinge wollen angegangen, in Angriff genommen, erledigt werden.

 

An dieser Stelle will ich jene Fragen aufgreifen, die mir im Zusammenhang mit meiner täglichen Sprechpraxis, in meiner Arbeit mit Betroffenen im Einzel- wie auch im Gruppenzusammenhang begegnen. Ich will - unter Wahrung der Diskretion der in diesem Zusammenhang eingebrachten Beiträge - die menschlich-allzumenschlichen Fragen, Sorgen und Ängste aufgreifen und will - unter Einbeziehung Ihrer Anliegen und Fragen - versuchen, etwas entstehen zu lassen, was der Soziologe Hartmut Rosa "Resonanz" genannt hat. Es ist vom Prinzip eine Art Antwort, die Sie durch Ihre Fragen angestossen haben, ohne direkt danach gefragt zu haben. Der Ort für solche anstössigen Erfahrungen könnte zum Beispiel die therapeutische Gruppe sein. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie schon viel zu lange mit Ihren Fragen allein geblieben sind, ohne diese wirklich an ein Gegenüber adressiert zu haben, dann machen Sie einen Termin für ein erstes Gespräch zur Abklärung, ob Ihnen mit Hilfe einer Psychotherapie geholfen werden kann, selber die passenden Antworten zu entwickeln.